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04.11.2012

Südafrikanischer Frühling -Veldtheimia bracteata


Eine der Pflanzen, die gerade bei mir Hochsaison hat, ist meine wunderschöne kleine Veltheimia. Bei Karstens Grüner Hölle habe ich die Schönheit bei den Korber Kakteentagen erstanden. Da hat sie sich mit einer tollen, mich an Aloe erinnernden Blüte in ihrer ganzen Pracht gezeigt. Ich war sofort hin und weg, es war klar dass die mit nach Hause muss.

Die Veltheimia ist ein Zwiebelgewächs aus Südafrika. Ihren Nachnamen hat die Schöne leider nicht verraten, aber aufgrund der zartrose Blüten und  der quietschgrünen, glänzenden Blätter tippe ich auf Veldtheimia bracteata.

Veltheimias gehören zu den Hyazinthengewächsen und weisen ledigich 2 Arten auf: V. capenis und die hier beschriebene V. bracteata. Es gibt Veldtheimias allerdings in verschieden Blütenfarben, alleine hier könnte man in eine neue Sammelleidenschaft geraten.
 Veldtheimias - im Englischen auch Sandlilien oder Kaplilien genannt- haben ihren Namen von dem deutschen Mineralogen und Botaniker August Ferdinand Graf von Veltheim (1741-1801).  Eine kleine Sommerpause hat mein Exemplar von Mai bis Anfang August eingelegt, aber nun legt sie im Rekordtempo los und setzt neue Blätter an. Ich freue mich schon auf die neue Blüte!


Von den Pflageansprüchen her ist die Veltheimia sehr leicht glücklich zu machen. Sie bevorzugt lockere, sandige Böden, wie schon der Name " Sandliliy" vermuten lässt. In den Sommermonaten macht sie Urlaub, zu dieser Zeit sollte man die Knolle kühl einlagern, damit sie nicht zu stark austrocknet. Zeigt sich der erste Blattaustrieb (bei mir im August/ September), kann man sie an einen hellen, halbschattigen Ort im Garten oder auf dem Balkon unterbringen. Als südafrikanischer Winterwachser hat die Veltheimia auch nächtliche Temperaturen um die 10 Grad toleriert und ist dem kühleren Wetter mit  und einem ziemlichen Wachstumsschub begegnet. Im Zimmer sollte man sie regelmäßig ansprühen, da sie in der Wachstumsperiode auf höhere Luftfeuchtigkeit positiv reagiert. In kühlen deutschen Gefilden ist die Veltheimia nur als Zimmerpflanze zu halten, in Südafrika ist sie eine Wild-und Gartenpflanze.

Ich habe von meiner Veltheimia- Blüte im Frühjahr auch einige Samekapseln geerntet. Nach allem was man im Netz so hört und liest, sollen die Samen sehr leicht keimen, in einer Mischung aus Vogelsand und Anzuchterde. Altbewährtes Perlite funktioniert sicherlich auch. Ein neues Anzuchtexperiment zeigt sich am Horizont! Ich werde berichten, wie es mit den Samen weiter geht.

11.09.2012

Stapelia flavopurpurea - Aasblume mit Honigduft

Die schönen Spätsommertage sind immer wieder für eine Überraschung gut. So wie die spektakuläre Blüte unserer Neuerwerbung Stapelia flavopurpurea, die gerade den Garten von Fred Zimt, meinem Parter in Crime in Sachen exotische Pflanzen, ziert. Stapelien sind ja auch unter dem wenig ansprechendem Namen Aasblumen bekannt und verströmen im Normalfall ein Aroma der Duftnote "tote Katze", das eher Fliegen als Zielgruppe anspricht als menschliche Nasen. Daher fing ich erst mal herzlich an zu lachen, als man mir erzählte, dass die Stapelia flavopurpurea nach Honig riechen soll.

Eine honigduftende Stapelie klang zunächst mal so wahrscheinlich wie ein weißer Rabe. Tatsächlich ist der Duft unseres schönen Exemplares sehr angenehm, selbst der honigliebende Bär Winnie Pooh hätte seine Freude daran. Die Stapelia flavopurpurea ist auch einigermaßen selten zu bekommen, wir hatten Glück und haben unser Exemplar bei der Pflanzenbörse des Schwabentreffens in Ulm ergattert.


Die Stapelia flavopurpurea stammt aus Afrika und kommt vor allem in Namibia und Botswana vor. Dort wächst sie auf steinigem Boden unter Gebüsch. Selbst am Naturstandort ist sie recht selten. Entdeckt wurde die kleine Schönheit 1907.

Die fünfzackige, gelbe Blüte erinnert in der Form an einen Seestern. Auch der pinke Innentupf sorgt für eine harmonisch anzuschauende, außergewöhliche Pflanze. Ich habe gleich "bestäuben" gerufen, aber Stapelien gegenseitig zu bestäuben, ist wohl recht schwierig, wie ich aus dieser Abhandung erfahren habe. Also hoffe ich einfach, dass die Natur ihren Job macht und wir auf natürlichem Weg Samen bekommen. Eine sehr schöne und interessante Stapelie.

29.07.2012

Cactus Practice on Tour: Sukkulentensammlung Zürich


Afrikahaus Sukki Zürich
Vor einigen Wochen habe ich mir anlässlich meines Geburtstages ein besonderes Geschenk gemacht: Einen Besuch in der Züricher Sukkulentensammlung. Diese beeindruckende und sehr alte Sammlung wurde 1927 von dem privaten Kakteensammler Jakob Gasser der Stadt Zürich übergeben. Noch heute steht die Sukki, wie die Sammlung von den Zürchern liebevoll genannt wird, Besuchern ganz ohne Eintritt offen, lediglich Spenden werden erbeten. Paradiesische Zustände der Kulturlandschaft, wie ich sie sonst nur aus den großen britischen Museen kenne. In der Eingangshalle gibt es (ganz wichtig nach langer Zugfahrt) einen Kaffeeautomaten und eine Kühltruhe mit Eis, die nach dem offenen Kassensystem funktionert: man wirft einfach Geld in ein kleines Kästchen.

Aber nun zu den eigentlichen Stars der Sukkulentensammlung: Eine besonders schöne Auswahl von Pflanzen wird dort beherbergt, darunter auch viele große Solitärpflanzen, die einiges toppen was ich bereits in botanischen Gärten gesehen haben. Die Gewächshäuser sind nach den Regionen, aus denen die Pflanzen stammen, unterteilt. Dazu verfügt die Sammlung in Zürich über ein Herbarium, Freibeete und Anzuchtflächen, die man ebenfalls besichtigen kann. 

Pachypodium lameri im Madagascarhaus

Amerikahaus der Sukkulentensammlung Zürich


Opuntia fragilis
Hildewintera colademononis, sieht besonders elegant und kuschlig aus!

Auch ein Tropenhaus mit Orchideen, epiphytischen Kakteen und Gesnerien gehört zur Sukkulentensammlung Zürich selbstverständlich dazu. In dem kleinen aber feinen Tropenhaus fühlt man sich tatsächlich ein bisschen wie im Dschungel, zwischen rankenden Hoya und Orchideenkörbchen, die die von der Decke des Hauses herabhängen und so für optimale Platzausnutzung sorgen. Wir hatten Glück: Bei unserem Besuch hat dort einiges spektakulär geblüht. Die riesige Hoya sah wunderschön aus, der eher strenge Geruch erinnerte allerdings eher an vergessenes Weihnachtsbackwerk vom Vorjahr und hat mir schlagartig klar gemacht, warum manche Pflanzenfreunde ihre blühenden Hoya auslagern.

Tropenhaus: der Himmel hängt voller Orchideenkörbchen!









Hoya wayetii, gerade am Aufblühen

Streptocarpus saxorum




 Am Tag unseres Besuches war  in der Sukki gerade der jährliche Pflanzenmarkt der Züricher Sukkulentenfreunde. Ich habe 2 wunderschöne, antiquarische Bildbände ergattert, mit vielen tollen Zeichnungen. Auch in den Freibeeten hat so einiges geblüht und bei Kaffee und Kuchen konnte man sich mit den kakteenbegeisterten Schweizern austauschen und feststellen, dass Pflanzenleidenschaft eben grenzenlos ist. Mein Fazit des Tages ist, dass die Sukkulentensammlung Zürich auf jeden Fall eine Reise wert ist. Wen es mal nach Zürich verschlägt, sollte sich diese botanische Sammlung der besonderen Art nicht entgehen lassen!
Selenicereus grandiflorus: die Blüte der Königin der Nacht haben wir diesmal leider knapp verpasst!

Anzuchtbeet Crassula

Eingangsbereich Sukki Zürich

Wer sich näher über die Sukkulentensammlung Zürich informieren möchte oder die Sammlung unterstützen möchte, findet auf der sehr ausführlichen und toll bebilderten Webseite des Fördervereins der Sukkulentensammlung Zürich alle nötigen Infos. Man kann sich per Newsletter über anstehende Veranstaltungen und die Selenicereus-Blüte informieren lassen.

11.07.2012

Mein kleiner Ferrari....

Seit kurzem bin ich stolze Besitzerin einer kleinen Schönheit: schnittig, edel, niedrig im Verbrauch, ein echter Ferrari. Was hat das denn mit Kakteen zu tun, wird sich der eine oder andere fragen. Vielleicht wundert es euch auch, dass das Kakteenbloggen so lukrativ ist, dass man gleich mit dem Ferrari vorfährt. Wer mich kennt, wird vielleicht auch überrascht sein, dass ich auf einmal von Autos schwärme, bin ich doch eher Bus- und Radfahrerin. Ich teile mein Geheimnis mit Euch: meinen Ferrari kann sich jeder leisten. Ist nämlich kein Auto. Sondern ein Kaktus.


Ich rede nämlich von dem hübschen Gymnocalycium ferrari, der gerade im Sommerquartier auf meinem Balkon blüht. In den Kleinen habe ich mich vor ein paar Wochen bei Kakteen Uhlig verliebt, als wir dort beim Tag der offenen Tür waren. Ist übrigens eine sehr schöne Veranstaltung, mit Kaffee und Kuchen im Gewächshaus, und immer wieder eine tolle Variante, den Sonntag zu verbringen. Gymnocalcyum ferrari stammt aus Argentinien und ist mein erster Vertreter der Gattung Gymnocalycium. Fasziniert hat mich auch der schuppige, rosa graue Blütenkelch, der der Gattung seinen Namen gibt. "Gymnocalycium" bedeutet übersetzt ganz einfach " nackter Kelch". Ob die Benennung "Ferrari" tatsächlich mit der berühmten Automarke zusammen hängt, habe ich leider nicht raus finden können. Auf jeden Fall ein wunderschöner Kaktus!



15.06.2012

Echinocereus oklahomensis: Kaktusblüte zum Wochenende

Gerade habe ich auf meinem Balkon diese unerwartete Schönheit entdeckt: die erste Blüte an meinem winterharten Echinocereus oklahomensis, die heute morgen noch eine fest geschlossene Knospe war. Der Kaktus hat den Winter auch bei -20 Grad sehr gut überstanden und präsentiert sich jetzt in voller Schönheit. Was für ein Rosa!


07.05.2012

Glücklos mit Gesnerien? Streptocarpus, Usambaraveilchen und Chirita vermehren


Weder Kaktus noch Sukkulente aber trotzdem Lieblinge von mir sind Gesnerien. Das kommt daher, dass ich auch ein paar dunklere Ecken am Fenster habe, wo für andere Zimmerpflanzen das Licht zu spärlich ist. Saintpaulia (besser bekannt als Usambaraveilchen) und Chirita scheinen sich dort aber sehr wohl zu fühlen und leisten meinen Kakteen Gesellschaft.

Erstaunlich glücklos war ich bislang leider bei der Vermehrung von Saintpaulias und Chiritas durch Blattstecklinge. Bei allem was ich bis jetzt ausgesät und gepflanzt habe, lief es super, ich hatte eher eine Jungpflanzenschwemme. Aber Stecklingsvermehrung von Usambaraveilchen, was eigentlich sonst jeder Hobbygärtner hin kriegt und was wir als Kinder sogar schon in der Grundschule gemacht haben, will mir zur Zeit einfach nicht gelingen. Das ist etwas, das man sich unter Pflanzenfreunden ja kaum laut zu sagen traut, da schlägt jeder die Hände über den Kopf zusammen und sagt "waaas, da musst Du doch einfach nur ein Blatt in die Erde stecken!". Ja, genau. Einfach. Nur. Soviel zur Theorie.

Bei manchen mag das so klappen. Bei mir bisher nicht. Ich oute mich hiermit als Gesnerienmörderin. Von bislang einigen Versuchsreihen habe ich sicher im Schnitt 20 Stecklinge gekillt und nur 2 Pflanzen sind angegangen, die entwickeln sich sehr langsam. Ich glaube aber, mit Fug und Recht behaupten zu können, alle Fehler, die man dabei machen kann, habe ich jetzt einmal gemacht. Mal sind die Steckis verfault, mal vertrocknet, mal hab ich das Substrat zu nass gemacht, mal zu trocken, mal waren die Blattstiele zu lang, mal nicht lang genug. Auf jeden Fall lief immer etwas schief, Fred Zimt sagt schon ich verbreite mieses Stecklingskarma. Aber wie gesagt, die möglichen Fehler hab ich jetzt wohl (hoffentlich!) alle durch. Dabei habe ich folgendes raus gefunden:
  • Je lockerer das Substrat, desto besser: also Perlite als Mittel der Wahl
  • Substrat anfeuchten, aber nicht zu nass machen. Das Substrat sollte sich noch locker anfühlen, wenn man mit der Hand durchfährt und unter dem Perlite darf kein Wasser stehen. Klingt banal, aber die richtige Feuchtigkeitsmenge zu finden, fand ich persönlich am Schwierigsten.
  • Bei Saintpaulia und Chirita die Stiele etwas einkürzen, aber noch ca 2 cm Stiel stehen lassen.
    Hohe Luftfeuchtigkeit muss her, bei ausreichender Luftzirlukation, also sollte man kleine Anzuchtgefäße ab und an lüften. Kondenswasser, das aufs Blatt tropft, schadet der Entwicklung, dann stehen die Stecklinge zu nass.
  • Geduld haben, manche Stecklinge brauchen nur 2 Wochen, manche 4, bis sich Wurzeln bilden
  • Nicht zu schnell austopfen, erst wenn wirklich genug Wurzeln vorhanden sind, aus dem Perlite nehmen.
Jetzt will ich die Erkenntnisse umsetzen, Zeit für einen neuen Versuch, diesmal Streptocarpus-Vermehrung:

Mein nächstes Experiment zur Gesnerienvermehrung sind Streptocarpus- Stecklinge, eigens auf Ebay geordert. Da soll ja sogar ein einzelner Blattabschnitt in kürzester Zeit neue Pflänzchen ergeben. Ich versuche es diesmal mit reinem Perlite als Substrat, weil das bei den Usambaraveilchen noch am Besten geklappt hat, und probiere 2 Möglichkeiten aus, bei denen die Streptocarpus Blätter zerschnitten werden. Ganz wohl ist mir zwar nicht dabei, die Ableger zusammenzuschnippeln, aber die Meister der Gesnerienvermehrung sagen, das gehört so und dass man so die besten Ergebnisse erzielt. Also mutig das Messer gewetzt, ich spüle es vorher heiß ab, damit es einigermaßen steril ist.

Methode 1( Streptocarpus Ruby): das Streptocarpus Blatt quer in einzelne Abschnitte zerschneiden und die Abschnitte ins feuchte Substrat stecken (wichtig ist dabei, dass das richtige Ende entsprechend der Wuchsrichtung des Blattes nach Oben zeigt, auch beim Mittelstück!). Dabei sollen schon nach 2 Wochen erste Wuzeln entstehen.



Methode 2 ( Streptocarpus Gwen): Ich entferne die mittlere Blattader mit 2 beherzten Schnitten von chirurgischer Präzision und stecke die beiden Blatthälften ins Perlit.Wichtig dabei ist, die Blattader nicht mittig durchzuschneiden, sondern sie wirklich rechts und links von den Blatthälften zu entfernen. Ich komme mir ein bisschen mutig vor, weil man bei dieser Methode wohl besonders auf Fäulnisgefahr achten muss, aber sie soll auch die meisten Ableger produzieren. Wer nicht wagt...


Methode 3 (Streptocarpus Charlotte): Die mögliche Variante 3, das ganze Blatt in feuches Perlite zu stecken, erscheint mir zwar sicherer, aber auch weniger attraktiv, da man dabei maximal eine Pflanze anziehen kann, während die anderen beiden Methoden viele, viele, geradezu unzählige Ableger produzieren sollen. Der Vollständigkeit halber versuche ich es trotzdem.



Jetzt also die Käseglocke drüber für nötige Luftfeuchtigkeit und Daumen drücken.... Ob mich bald eine Streptocarpus Schwemme erwartet?
Die drei Methoden zur Vermehrung habe ich übrigens von der Gärtnerei Dibleys, die sich auf Gesnerien spezialisiert hat und regelmäßig Preise bei der Chelsea Flower Show abräumt. Ich weiß schon, wo ich vorbei schauen werde, wenn ich das nächste Mal in Wales bin....

2 Wochen später: 
Methode 1, Blattabschnitte quer: Die quer zerteilten Blattabschnitte bekommen erste Wurzeln aus der Blatt-Mittelrippe. Hurra!

Methode 2( Blattabschnitte längs, Mittelrippe entfernt): Die Blattabschnitte stehen unverändert da, bislang keine Wurzeln. So langsam frage ich mich, ob es wirklich eine gute Idee war, die Mittelrippe zu entfernen.

Methode 3 ( ganzes Blatt ins Perlite): Aus der Mittelrippe ist ein richtiger kleiner Wurzelballen emtstanden, das Blatt sieht super aus und kann bald in richtiges Substrat. Der Überraschungssieger der drei Methoden, was Geschwindigkeit der Wurzelbildung angeht.

Insgesamt scheinen Streptocarpus - Stecklinge sehr viel weniger anfällig für Fäulnis zu sein als Chirita und Saintpaulia Stecklinge, damit gab es diesmal keine Probleme. Das miese Gesnerien-Stecklingskarma scheint abgewendet!

Update (01.06): Inzwischen haben alle Stecklinge Wurzeln bekommen.
Methode 1 (Blattabschnitte quer): an 2 von 5 Stecklingen Blattaustrieb, ca 3 mm.
Methode 2 (Blattabschnitte längs) Es zeigen sich viele, winzigkleine neue Blätter längs der Schnittkante.
Methode 3 ( ganzes Blatt) : Der Steckling ist am Besten bewurzelt, zeigt aber noch keinen Austrieb.

Update ( 01.08)
Methode 1 (Blattabschnitte quer) : 3 von 5 sind weg gefault, die restlichen 2 haben kleine Blätter
Methode 2 (Blattabschnitte längs): sehr viele Mini-Jungpflanzen (ca 20 Stück, je1-3 mm), entwickeln sich sehr langsam.
Methode 3 ( ganzes Blatt) : 2 große stabile Jungpflanzen ( mehrere 3-4 cm lange Blätter) abgetrennt, bewurzeltes Blatt wieder eingepflanzt in Hoffnung auf weitern Nachwuchs.


Fazit: Wer keine Streptocarpus- Zucht aufmachen möchte sondern einfach ein paar große schöne Jungpflanzen anziehen möchte, ist mit der Methode "ganzes Blatt" gut bedient. Bei den anderen bekommt man zwar viele, dafür schwächere Jungpflanzen. Die Methode "Blattabschnitte quer" sah anfangs von Bewurzlung gut aus, zeigt aber bei den Jungpflanzen nur geringes Wachstum und eine hohe Ausfallquote.

P.S: Gerade habe ich noch diesen tollen Gesnerienblog entdeckt. Wer sich für das Thema interessiert, oder einfach ein paar schöne Blüten-Bilder anschauen will, wird hier fündig.

20.03.2012

Das Passionsblumen - Rätsel: P. edulis flavicarpa oder P. ligularis?

Wer wie ich gerne mal die Samen von selbst gefutterten Passionsfrüchten aussät, steht unter Umständen vor einem Rätsel von Sherlock Holmes'schen Ausmaß: welche Passi gehört denn nun genau zu der Frucht? Der Obsthändler des Vertrauens ist dabei auch keine allzu große Hilfe, der weiß vielleicht wie's schmeckt, kennt aber in der Regel nicht den botanischen Namen der Pflanze. In meinem konkreten Fall habe ich die Samen einer sehr leckeren, säuerlichen Passionsfrucht aus der Stuttgarter Markthalle ausgesät.

Hinweis 1: Die Frucht:
Leider habe ich die Frucht damals nicht fotografiert. Auf jeden Fall war sie außen gelbgrün und das Fruchtfleisch hell, die Samen eher bräunlich und heller als bei P. incarnata, deren Samenhüllen außen richtig schwarz sind. Das hat meinen Verdächtigenkreis nach einiger Recherche eingegrenzt auf Passiflora edulis flavicarpa, dem Obsthändler bekannt als gelbe Maracuja, und Passiflora ligularis, deren Früchte hierzulande als Grenadilla verkauft werden. Im reifen Zustand sind die Früchte gut zu unterscheiden, da ist P. ligularis nämlich fast orange und P edulis flavicarpa eher gelbgrün. Im halbreifen Zustand ist das allerdings gar nicht so einfach zuzuordnen. Eine große Hilfe war der tolle Blog Fruitspecies . Hier kann man Bilder von Früchten suchen und erfährt, zu welcher Pflanze sie gehören.
Maracujas "Passiflora edulis. Meine sah aus wie die linke.Foto:Fibonnaci CC)




P.ligularis (Foto: Roland Berger)
Hinweis 2: Die Pflänzchen
Grundsätzlich kann ich die Aussaat von selbst gefuttertem Saatgut bei Passionsblumen total empfehlen, frischere Samen bekommt man kaum. Diesmal hatte ich eine unglaublich gute Keimquote von ca. 90%. Ich habe in reinem Perlite ausgesät, das hat sehr viel besser funktioniert als Erde oder Kokosfaser, da kam nämlich teilweise gar nix. Eine genauere Aussaatanleitung findet ihr hier. Da kommen wir auch zum eindeutigsten Unterscheidungsmerkmal von Passiflora edulis und Passiflora ligularis. Die kleinen Pflänzchen sind kaum zu unterscheiden, aber nach der " Babyzeit" bekommt P. edulis die für viele Passionsblumen typischen, dreilappigen Blätter, während die Blätter von P. ligularis spitz und einlappig bleiben.Auch sind die Blätter von P. ligularis eher matt, während die von P. edulis glänzen. P ligularis ist in unseren Breiten scheinbar auch problematisch und kaum zum Blühen zu überreden. Wer es dennnoch geschafft hat, schickt mir doch ein Foto!
P.ligularis (Foto: Juss)
Passiflora edulis (CC hier)









Die Lösung:
Bei meinen ersten Jungpflanzen teilen sich die Blätter inzwischen in drei Lappen, also habe ich eindeutig eine P. edulis flavicarpa gefuttert und ausgesät. Ich habe auch noch Pflänzchen übrig, wenn jemand welche möchte, schreibt mir eine Mail.

24.02.2012

Sorgenkind Puna bonniae - wie winterhart sind Kakteen?

Echinocereus triglochidiatus
Es wird wieder wärmer, Zeit für eine kleine Bestandsaufnahme bei den winterharten Kakteen. Immer wieder ernte ich erstaunte Blicke, wenn ich "Normalos", die nicht dem Kakteenfieber verfallen sind, erzähle, dass ich einen Balkonkasten voller Kakteen habe. Für viele Leute ist es komplett neu, dass es Kakteen gibt, die auch winterliche Temperaturen und mitteleuropäischen Frost aushalten können. Wenn man bedenkt, wie kalt es an Naturstandorten wie der Atacama-Wüste in  Chile (- 15 Grad!) werden kann und dass selbst an der kanadischen Grenze in den Rocky Mountains noch Kakteen wachsen, ist das aber gar nicht mehr so überraschend.

Wie packt so ein winterharter Kaktus eigentlich die Minusgrade, die wir in letzter Zeit hatten? Was ist eigentlich frostfest bei Kakteen? Das hab ich mich schon länger gefragt.... Bei meinen Opuntien und Echinocereen scheint auch die heftige Kälte bis -18 Grad keine Verluste verursacht zu haben, auch die Escobarien sehen gut aus, selbst der ganz schmale Pterocactus valentinii mit den lustigen Rübenwurzeln sieht noch fit aus. Genau wird mans wohl erst im März wissen, wenn man wieder vorsichtig mit Gießen anfängt. Aber das erste Durchfrieren und Auftauen scheinen sie ja alle ganz gut gepackt zu haben.


Kein Wasser im Winter!
Beim Überwintern von winterharten Kakteen ist es sehr wichtig, konsequent von Oktober bis März nicht zu gießen. So können die Zellen der Kakteen den Druck aushalten und ausgleichen. Friert ein gegossener Kaktus durch, platzt er nämlich einfach auf, da Eis bekanntlich ein größeres Volumen hat als Wasser. Eischrumpeln- einfrieren - wieder auftauen. Ganz schön heftig, was so ein winterharter Kaktus mitmachen muss. Als die kleinen bei Minus 10 bis 18 Grad komplett eingefroren sind, bin ich echt ins Grübeln gekommen. Jetzt sieht aber alles wieder sehr gut aus. Schrumpelig, aber lebendig...
Opuntie




Agave utahensis




Escobaria snedii









  






Sorgen macht mir nur meine Puna bonniae. Eigentlich ist sie auch unter harten Bedingungen groß geworden, die stammt nämlich wie der Rest meiner Winterharten vom Kaktusmichi aus dem Chiemgau, wo es deutlich kälter wird als in Tübingen am Neckar, wo meine Kakteen zuhause sind. Weil ich zu den Winterbedingungen von Puna bonniae in Netz und Literatur keine eindeutigen Informationen finden konnte, habe ich einige Kakteengärtner gefragt, die mir alle bestätigt haben dass auch die Puna im Winter draußen bleiben kann. Aber jetzt fühlt sich der Kaktus leider schon ziemlich weich an. Fazit: mehr als Minus zehn über einen längeren Zeitraum verträgt Puna Bonniae wohl doch nicht. Wie traurig. Ich behalt's im Auge und berichte, wie es dem kleinen Matschkandidaten weiter ergeht.

Andererseits bin ich bei meiner Recherche auch auf dieses schöne Foto von Punas im Schnee (Bild: Thomas Müller) gestoßen, also geb ich die Hoffnung noch nicht ganz auf... Vielleicht liest hier ein Kakteengärtner mit ganz viel Erfahrungen zu Puna rein und kann mir ein paar Tipps geben?

18.02.2012

Stapelien – nicht ganz von dieser Welt

Stapelia desmetiana
Urheber Fred Zimt
CC-Lizenz: hier!
Ein paar der interessantesten sukkulenten Pflanzen, die mir in letzter Zeit begegnet sind, sind zweifellos Stapelien. Erinnert Ihr euch noch an Kinderserien wie Schlupp vom grünen Stern oder die Maus auf dem Mars? Ich finde, Stapelien würde ganz gut auf einen dieser Phantasieplaneten passen. Sie sehen etwas außerirdisch aus und man traut Ihnen nicht recht über den Weg, mit ihren wuscheligen, dicken Blüten, ihrem gezackten Wuchs und ihrem durchdringeden Geruch, den man tatsächlich nur als Aroma "tote Katze" charakterisieren kann. Von dieser wenig ansprechenden Duftnote kommt auch der volkstümliche Name Aasblume. Natürlich riecht die Pflanze nicht umsonst so: Stapelien locken mit dem Geruch Fliegen an, die die Blüten bestäuben.

Standort
Knospe Stapelia desmetiana
Urheber Fred Zimt
CC-Lizenz: hier!


Stapelien sind in der afrikanischen Steppe zuhause, wo sie ganze Flächen bedecken können. Deshalb mögen sie es auch bei uns hell und trocken. Wichtig ist die richtige Erde: Stapelien brauchen mineralisches Substrat mit viel Bims, Perlite und Ton, das schnell wieder abtrocknen kann. Meinen Steckling der Stapelia grandiflora staue ich im Sommer alle 2 Wochen an, d.h. ich stelle den gesamten Topf ins Wasser bis sich das Substrat vollgesogen hat, dann lasse ich den Rest abtropfen. Die Aasblume bekommt erst wieder Wasser, wenn das Substrat vollständig trocken ist. Unsere Aussaat von Stapelien war übrigens erstaunlich erfolgreich, es wachsen derzeit 18 kleine Stapelia desmetiana unter der Anzuchtlampe. Bei Stapelia gigantea war die Keimquote nicht so gigantisch, aber immerhin drei haben sich gezeigt:

Stapelia desmetiana
Stapelia gigantea











 Kurzer Ausflug in die Botanik

nahe Verwandtschaft:Orbea variegata
Stapelien gehören zur Familie der Seidenpflanzengewächse oder Asclepiadoideae, also ganz grob zum gleichen Clan wie die Leuchterblume Ceropegia oder die Wachsblume Hoya. Eine Pflanzenfamilie mit besonders schönen und spannenden Mitgliedern, die mich sehr fasziniert und über die hier sicher in Zukunft noch einiges zu lesen sein wird. Zur näheren Verwandtschaft der Stapelien gehören auch Huernia , Caralluma und Orbea . Die Unterscheidung ist für den Laien und Liebhaber nicht ganz einfach und gute Informationsseiten und Bücher über Stapelia und co. sind rar gesät.  Ich habe deshalb mal versucht, das Wenige was ich aus den Weiten des Internet, dem "Illustrated Handbook of Succulent Plants" und durch eigene Beobachtung raus finden konnte, in einen Überblick zu packen, der allerdings nur eine kleine Einstiegshilfe sein soll. Ich bin keine Botanikerin und würde mich über fundiertes Feedback und Informationsmaterial zum Thema sehr freuen.

  • Stapelia: Blüte: große Einzelblüten, lange gerade Petalen. Pflanze: Leicht samtige Oberfläche
  • Huernia: Blüte: oft kleinere Blüten, Verdickung um das Blüteninnere Pflanze: viele Spitzen
  • Caralluma: Blüte: oft mehrere, kleinere Blüten, Pflanze: oft grau und gefleckt
  • Orbea: Blüte: kleinere, stärker gerundete Blütenblätter als Stapelia. Pflanze: Oberfläche glatt.

Eine sensationelle Bildersammlung nicht nur zu Stapelien findet Ihr auf der Fotogalerie des Asclepidariums. Bücher über Stapelien habe ich außer dem Lexikon " Asclepiadaceae" von Focke Albers und Ulrich Meve leider bisher nicht entdecken können, würde mich aber sehr über Tipps freuen.

Wunschliste
Da ich mich brennend für Stapelia und co. interessiere suche ich immer wieder Stecklinge. Besonders würde ich mich derzeit über Caralluma europaea und Huernia oculata freuen. Solltet Ihr da etwas tauschen oder verkaufen wollen, schickt mir eine Mail an
kamama [@] cactus-practice.com

10.02.2012

Keine Orchidee: Ledebouria socialis

Heute möchte ich mal eine meiner Lieblingspflanzen vorstellen: Ledebouria socialis, auch bekannt als Scilla violaceae. Diese schöne und recht anspruchslose Zimmerpflanze gehört auch wegen der getigerten, glänzenden Blätter mit zu meinen ganz besonderen Lieblingen. Die Blattzeichnung und die schmalen, lanzenförmigen Blätter und die dunkelroten Zwiebeln lassen dieses exotische Gewächs richtig wild aussehen. Wie viele meiner Lieblingspflanzen mit sukkulenten Eigenschaften stammt auch die Ledebouria aus dem warmen Südafrika und hat es daher gerne sonnig und trocken. Ledebouria socialis gehört zu den Hyazintengewächsen und vermehrt sich sehr schnell durch neue Zwiebeln.

Pflege: Die Ledebouria socialis braucht mineralisches Substrat, das schnell abtrocknen kann und einen hellen Standort. Ca. alle 10 Tage wird sie durch Anstauen gewässert. Dann ist Pause, bis das Substrat vollständig abgetrocknet ist. Alle vier Wochen bekommt sie etwas Kakteendünger, zwischendurch sprühe ich sie ab und zu an. Sie ist ein Winterblüher, meine steht jetzt gerade in voller Blüte. So unscheinbar die Blüten auch auf den ersten Blick erscheinen mögen, sind sie sehr filigran und hübsch, wenn man genauer hinsieht:


Verwechslungsgefahr: Ledebouria socialis und Paphiopedilum liemianum
Im Pflanzenreich hat die hübsche Ledebouria socialis einen Doppelgänger namens Paphiopedilum liemianum. Die aus Sumatra stammende Erdorchidee ist hierzulande auch als Frauenschuh bekannt. Wenn sie nicht gerade in Blüte stehen, sind die Ledebouria socialis und die Orchidee Paphiopedilum liemianum tatsächlich kaum zu unterscheiden, da die Blattzeichnung sehr ähnlich ist. Der spektakulär blühende Regenwaldbewohner hat allerdings etwas breitere Blätter als die Ledebouria socialis. Gerade bei Jungpflanzen ist das recht leicht zu verwechseln. Schön sind sie beide allemal!

Paphiopedilum liemianum
Foto: Dalton Holland Baptista
Lizenz: GFDL

Ledebouria socialis

14.12.2011

Weihnachtsgrausen: Bunte Echeveria

Ein Freund von mir, seines Zeichens Hobbygärtner, Kakteenexperte und meine gärtnerische Inspirationsquelle war letztens im Baumarkt und hat dort diese armen, als Weihnachtsbaum verkleideten Echeveria - Pflanzen entdeckt. Er hat mir angeraten, darüber einen kleinen Blogartikel zu verfassen. So geht man doch nicht mit Pflanzen um! Ja herrscht denn hier der sukkulente Weihnachtswahnsinn? Pop Art mit Dickblattgewächsen? In den Farbtopf gefallen!? Da packt den Sukkulenten  - Liebhaber der gerechte Zorn. Da werd ich doch glatt zum Grinch! Uaaaahhhh.....

 Solcher Art geschminkte Pflanzen sind nicht nur ästhetisch äußerst fragwürdig. Der ganze bunte Flitterkram hält die Echeveria auch davon ab, Photosyntese zu machen. Sukkulenten sind ja bekanntlich hart im Nehmen aber das sieht nicht gesund aus Warum man echte Pflanzen so malträtiert, dass sie am Ende wie Plastikblumen aussehen, ist mir ein Rätsel. Ich will gar nicht wissen, was dazu in den Farben so alles an Chemie steckt. Dabei sind Echeverien so schöne, dankbare Pflanzen. Ursprünglich ist die Echeveriea in Texas und Mexiko beheimatet. Wenn man die Pflänzchen hier vom Lack befreien würde, käme höchstwahrscheinlich Echeveria "Perle von Nürnberg" zum Vorschein, eine Kreuzung zwischen Echeveria gibbiflora und Echeveria potosina. Die Pflanzen sind äußerst genügsam und gedeihen am Besten in mineralischem Substrat. Von Frühjahr bis Sommer kann man alle 14 Tage durch anstauen gießen. Dazwischen sollte das Substrat vollständig abtrocknen, damit die Wurzeln nicht faulen. Echeverien brauchen einen sonnigen Standort. Im Winter mögen Echeverien es kühl, so um die 10 Grad - stehen sie zu warm, besteht die Gefahr, dass sie ausschießen.

 Und so sehen Echeverien ohne Kriegsbemalung aus:


Danke an F.Z für Idee und Bilder!